Gast Post von Magnus Haensler
Youngtimer-blog.de


Nervt Dich das auch? Du steigst in ein heutiges Cabrio und hast im Showroom schon irgendwie das Gefühl, dass die Typen von der Automobilindustrie Dich hier mal qualifiziert in die Pfanne hauen wollen.
Beim Cabrio geht es – mehr noch als bei den meisten anderen Automobil-arten, doch auch um das Wesentliche.

Opel Cascada
Wohin mit meinem Schädel?

Da geht es darum, offen zu fahren, ungefiltert. Wünschen wir uns nicht alle wieder, dass Fahren Abenteuer ist? Dass Fahren Herausforderung ist, dass Du die Muskeln in den Kurven brauchst und beim Fahren nicht vor lauter Langeweile Facebook Posts auf Deinem Smartphone tippst?

Es gibt einfach gute Gründe für das Cabrio-Fahren.

Modern ist nicht immer besser – früher war alles waren Cabrios besser

Sicher jedoch ist keiner der guten Gründe, dass man beim Einsteigen in den Wagen schon gegen die A-Säule krachen möchte, weil die so weit in den Wagen hineinragt, um aerodynamisch zu sein, dass man an ihr auch gleich einen Verband anbringen könnte, um wenigstens weich dagegen zu krachen.
Und so ist das eigentlich so langsam bei allen neuen Cabrios.

Golf I Cabrio Youngtimer
Hier hat der Kopf noch Platz und kracht beim Bremsen nicht gegen die Kante der Frontscheibe

Und nicht nur das.
Cabrios sind mit den letzten 15 Jahren solche Bevormunder geworden, wie all die anderen Autos auch – da erkennt man keinen Unterschied mehr. Moderne Cabrios sind eigentlich keine Cabrios mehr, sondern nur noch die Interpretation einer Limousine, bei der ein Stück Dach fehlt.
Für die Memmen, die offen die Boulevards abcruisen wollen, weil man dann einfach die frisch geliftete Gattin besser sehen kann, für die man ja schließlich bezahlt hat, hat ja schließlich Mercedes bereits den Scarf entwickelt, der den Nacken beheizt.

Moderne Cabrios: Motorräder mit Servolenkung

Da frag ich mich: Ist das ernst gemeint? Kommen jetzt auch Motorräder mit Servolenkung?

Mercedes SLK
hier fing das Unheil an – mit der Frontscheibe und dem Stahldach

Ein Cabrio soll mich zurück dahin bringen, wo Autofahren ernsthaft unter freiem Himmel stattfand, soll mich aus der Isolation holen – nicht mich mit neuen Mitteln isolieren. Ganz klar: ein Golf III – Henkel hin oder her – der konnte das noch. Der hat auch eine steile Scheibe – durch die kann man beim Fahren auch durchschauen. Versuch das mal ein paar Jahre später beim Astra H. Da starrst Du eigentlich immer nur gegen die obere Kante der Frontscheibe. Wenn Du wissen willst, was vor Dir abgeht, musst Du dich bücken oder gleich ein Sitzkissen mitbringen.

Not Good.

Es gibt noch echte Cabrios

Auch heute kann man sich verbiegen und ein Cabrio kaufen, dass den Namen noch verdient. Jeep baut solche und Suzuki und nennen die Dinger Geländewagen – auch Land Rover weiss, wie so etwas geht – oder soll ich mich erst bücken, wenn ich in der kenianischen Steppe chekcen will, ob ich jetzt Antilopen platt fahre oder noch ausweichen kann? Wohl kaum. Wir haben die Hoffnung, dass Dacia mal so ein echtes Cabrio auf den Markt bringen könnte – die haben ein Händchen für das Wesentliche.

Youngtimer BMW E30
Sabber… So sieht FReiheit aus, so funktioniert ursprüngliches Fahren

Noch besser können es die Youngtimer dieser Erde – die Ier Golf Cabrios dieser Erde, die Spitfires, auch der Mazda MX-5.
Der Echte Mercedes SL vom Typ R107. Hier weht einem die Frischluft noch ernsthaft um die Nase, hier fehöt einfach das komplette Dach. Eine Scheibe und dahinter Du. Wenn Du 180 fahren willst, leihst Du Dir den Wagen vom Nachbarn. Oder du hälst Dir ein Cabrio Youngtimer als Zweitwagen – so teuer sind die nicht.
Und sie bringen dich wirklich zurück.
Dahin, wo fahren begann.