Kann man guten Gewissens zum Kadett E raten? Eigentlich nicht. Die einzige Ausnahme bildet eigenartiger Weise das Cabrio – vermutlich aufgrund besserer Pflege und der Tendenz zu reinem Sommerbetrieb. Gerade bei einem Auto, das derart gerne rostet, wie der Kadett E kann das eine Gnade sein.
Langjährige Vorbesitzer des Wagens sind häufig Frauen, die auf die prinzipiell knackige Form und Offenfahren mehr Wert legten als auf 31er Momo-Lenkräder, billige Tieferlegungssätze und Rennauspuff.Kadett E Cabrio
Dennoch gilt: es gibt im unteren Preissegment zahlreiche billige GSI-Exemplare mit dicken Felgen und harten Federn – Finger Weg! Die Cabrio-Karosserie verkraftet das nicht.
Der Markt bietet zahlreiche Einsteiger-Exemplare ab 1000 Euro, die eine Saison offenen Fahrens schaffen und an den hinteren Radläufen rosten – das sieht kritischer aus, als es ist, da jede Werkstatt das für 60- 80 Euro beheben kann und jeder, der die Anleitung liest, das sogar mit Schleifpapier und Grundierung aus dem Baumarkt hinbekommt, wenn er sich einen sonnigen Sonntag lang Zeit nimmt. Ansonsten rostet der Kadett E aber auch gerne an jeder beliebigen anderen Stelle – selbst an Stellen, an denen das beinahe unmöglich erscheint.opel_kadett_e_cabrio_3
Gute Exemplare mit frischem Tüv gibt es ab 1800, richtig gute für 2500. Im Ruhrgebiet ist die Auswahl auffallend besser.
Das Dach des Kadett ist anfälliger und reißt eher mal hier und da – vor allem im zweiten großen Knick zeigt es Schwächen. Das können Golf Cabrio und Escort Cabrio besser. Da letztere ohnehin für das gleiche Geld zu haben sind, im Kern jedoch bedeutend robuster sind, sollte man zum Kadett nur bei wirklich guten Angeboten greifen oder wenn man wirklich sportlich fahren will – dafür ist der E-Kadett tendenziell besser gerüstet als der Ford Escort.
opel_kadett_e_cabrio_1Leider wussten das auch die Vorbesitzer – daher muss man gerade auf Fahrwerk, Stabilisatoren und Stoßdämpfer genau achten. Da die frühen Baujahre zudem gerne überhitzen, darf die Probefahrt gerne etwas länger dauern.
Vorsicht, wenn es in der Gegend der Sitzhalterungen knarzt – dann ist der nächste Tüv ausgeschlossen, da sich gerade der tiefergelegte geschundene Kadett gerne im Bereich der Versteifungen in gerne mal im Luft auflöst.
Alles in allem gilt also: lieber ein paar Euro mehr investieren und zum Nachfolger oder dessen Nachfolger greifen, der vor allem im Bereich Rostschutz eine Klasse besser ist. Steifer sind sie insgesamt auch.